Wermeddshause

E Oert, wie s vieli bo uns geiit

und doch ganz anderscht, wie die andre,

hoggt deß Därfle in seiinm Dool.

 

Wuchedoogs ziiecht d Ärrwed ihrne Bauere

bloewi Schärz und bloewi Kiddl ou.

D Sunn- und Feierdeech im weiße Hemmed,

mit Huet und mit Krawadde

finde, wie vo jehäer gwouhnt,

ihrn weech neii d Kärch

mit gschlossne Aache.

 

D Lait bussieere vor de Fremde

uuschenniert mit ihrer Freiindlichkeit.

Sie geize nidd

mit Auskinft und mit schäene Reiide

und geewe dir ihrn Grueß mit uff de Weech.

 

Vor iwwer hundert Joehr hat doe

bo m Pfarr emoel e groeßer Dichter gwouhnt

und - wie d Lait sooche -

ger schäeni Värschli gmacht,

vo denne enne doch bis hait kaum aas

richtig im Gedächtnis bliiewe is.

Denn doe, wu ner und nix wie gschafft wird,

kummt selde e Gedicht a zu em groeße Houf.

 

In de meischte Haiser

fäehlt s ou joungi Weiwer.

Doe hause ner die Alde noch

und dr jung Mou elaa.

Deßdeweech geiit es im Oert a schieer

ko klanni Kind.

 

Vom Duere daale d Gloggeschleech

Dooch e Noocht de Lait

ihr Zeit zum Leewe zue.

Diee finde, wenn s emoel vorbei is

drauße vor em Oert im Baameschatte

im Vorhouf vo dr Ewichkeit ihr Rueh.

 

Gottlob Haag, 1983



Wermutshausen

Turm mit grauem Schieferhelm hebt aus dem Grund sein graues Haupt
Dächerflächen, brandig-rot: Dorf das an die Rebe glaubt.

Hufschlag und Traktorenknattern ist den Bauern Maß und Zeit.
Im Pfarrhof träumt im Fichtenschatten die Stille der Vergangenheit.

Ein Gleichnis von Dauer und Leben erzählen Brunnen und Bach.
Die Kunde vom Wegkreuz am Ortsrand lies in den Spuren im Straßenstaub nach.

Vorm Dorf in den Hang gebettet ruhen die Toten aus von der Zeit.
Die Bäume flüstern; und Schweigen hütet das Geheimnis der Ewigkeit.

Gottlob Haag